Verein
13.11.2013 15:23
Lesen und Gänsehaut bekommen!
Lesen und Gänsehaut bekommen!
Samstag Nachmittag...
Samstag Nachmittags, 16 Uhr. Die Vorfreude auf die Gartenparty heute Abend bei Julia steigt. Marcel ist mit seinen Gedanken schon da. Alle seine Freunde und Arbeitskollegen werden vorbeikommen. Auch Leute die man nicht so häufig sieht.
Das schrille Piepsen seines Melders holt Marcel zurück in die Realität.
Einsatz für die Feuerwehr Hamburg, Gebäudebrannt, vermutlich noch Personen im Objekt ertönt die Durchsage.
Auf dem Weg zum Gerätehaus weicht die Vorfreude der Ernüchterung, das auch diese Party mal wieder ohne ihn stattfinden wird.
Wieso muss das immer an solchen Tagen passieren..???
Doch diesen Gedanken verdrängte er sofort wieder, irgendjemand da draußen braucht jetzt seine Hilfe, und genau das ist seine Aufgabe.
Das erste Fahrzeug rückt aus, Marcel sitzt mit drauf. Er rüstet sich während der Fahrt schon mit Atemschutz aus. Marcel stockt der Atem als er die Stimme des Disponenten aus dem Lautsprecher des Funkgerätes hört. Einsatzstelle Hauptstraße 10, dort das Kinderheim, vermutlich noch Personen im Gebäude.
Das Einsatzfahrzeug biegt unter Sonderrechten in die Hauptstraße ein. Aus den Fenstern des Obergeschosses dringt dichter Qualm.
Der erste Angriffstrupp in dem auch Marcel ist, bahnt sich seinen Weg durch das schon stark verrauchte Treppenhaus. Im Hinterkopf immer den Gedanken an den Kleinen Jungen, der laut Polizeiaussage noch drinnen sein soll.
Die Zeit vergeht wie im Flug. Bei jedem Atemzug aus dem Pressluftatmer steigt die Angst den Kleinen nicht rechtzeitig zu finden.
Die Druckanzeige zeigt noch Max. 5min.
Doch keiner der Kameraden im Haus will der Gedanke in den Kopf gehen den Kleinen nicht zu finden.
Der Rauch und die Hitze werden unerträglich. Die Sicht ist gleich Null. Marcel bleibt nur noch sein Tastsinn.
Das Pfeifen der Druckanzeige signalisiert dass sie sofort den Rückzug antreten müssen. Die Angst, dieses Wettrennen verloren zu haben, schmerzt und macht Hilflos.
Doch plötzlich ertastet Marcels rechte Hand diesen kleinen Körper. Wie selbstverständlich nimmt er ihn auf den Arm und zieht ihm die Brandfluchthaube über.
Der Weg aus dem Gebäude scheint Endlos zu sein. Sekunden kommen ihm vor wie Stunden.
Der kleine Körper in Marcels Armen zeigt keine Lebenszeichen.
Im Eingangsbereich kommen Marcel und den anderen schon die ersten Kollegen entgegen.
Am Rettungswagen warten schon die Sanitäter und der Notarzt auf den kleinen Jungen und beginnen sofort mit den Erstmaßnahmen.
Marcel steht immer noch vor dem RTW und schaut auf die Geschlossene Tür.
Die Erschöpfung und Strapazen sind ihm ins Gesicht geschrieben.
Dieses Unbeschreibliche Glücksgefühl, den Kleinen im Arm gehalten zu haben, wird von bloßer Angst verdrängt. Der Angst vielleicht doch zu spät gekommen zu sein.
In Marcels Unterbewusstsein drängt sich wieder die selbe Frage wie heute Mittag auf...Wieso tu ich das eigentlich..??? Warum Feuerwehr..??? Wieso mute ich mir das zu..??? Wieso Ich..???
Die Zeit vergeht wie im Flug bis zu dem Moment, in dem sich die Tür des Rettungswagens öffnet. Der Rettungssanitäter der Marcel eben das Kind aus den Armen genommen hat sieht ihn immer noch an der gleichen Stelle stehen. Er scheint die Angst und Ungewissheit bemerkt zu haben. Durch seine Daumenbewegung und sein freundliches Lächeln scheint er Marcel die gute Nachricht mitzuteilen.
Dieser Augenblick beschert Marcel Gänsehaut am ganzen Körper. Die Zeit scheint still zu stehen.
Genau dieser Augenblick hat all seine Fragen auf einmal beantwortet.
Jeder Einsatz, jede Minute die man hätte vielleicht anders nutzen können, hat nun einen Sinn gehabt.
Auch die ständigen Fragen von Freunden und Verwandten. Wieso machst du das eigentlich Ehrenamtlich?
Hat nun für immer eine Konkrete Antwort.